Ob sich ein Kratzer im Autolack entfernen lässt, entscheidet seine Tiefe. Wie lang er ist und wie schlimm er aussieht, spielt dafür kaum eine Rolle. Ein langer, heller Strich über die Tür kann nach einer Politur verschwunden sein, ein kurzer, dunkler Kratzer braucht vielleicht einen Lackierer.
Um die Tiefe einzuschätzen, hilft es zu wissen, wie Autolack aufgebaut ist. Dann sehen Sie auch, ob Sie selbst etwas ausrichten können. Welche Leistungen wir anbieten und was sie kosten, steht auf der Seite Lackaufbereitung, Folie und Preise.
Wie Autolack aufgebaut ist
Auf dem Blech liegt eine Korrosionsschutzschicht, darauf die Grundierung, auch Füller genannt. Sie glättet den Untergrund. Darüber kommt der Basislack mit der eigentlichen Farbe, und obenauf sitzt der Klarlack, der Glanz gibt und die Farbe vor UV und Chemie schützt. Zusammen sind das nur Bruchteile eines Millimeters.
Fast alle Kratzer, die sich wegpolieren lassen, stecken im Klarlack. Reicht ein Kratzer bis in den Basislack, fehlt Farbe, und die bringt keine Politur zurück.
Ältere Autos und manche Nutzfahrzeuge haben einschichtigen Uni-Lack ohne Klarlack. Das erkennen Sie daran, dass sich das Poliertuch in Wagenfarbe verfärbt. Hier wird die Farbschicht selbst poliert, und die Reserve ist entsprechend knapp.
Der Fingernagel-Test
- Stelle waschen und trocknen. Schmutz im Kratzer täuscht Tiefe vor. Manches, was wie ein Kratzer aussieht, ist nur Farbabrieb von einem anderen Auto oder einem Poller.
- Mit dem Fingernagel quer über den Kratzer fahren, langsam und ohne Druck.
- Gleitet der Nagel darüber, sitzt der Kratzer sehr wahrscheinlich im Klarlack. Die Chancen für eine Politur sind gut.
- Bleibt der Nagel hängen, ist der Kratzer tiefer. Er kann noch im Klarlack liegen, oft reicht er aber bis in den Basislack.
- In den Kratzer schauen. Weiß, Grau oder blankes Metall heißt: Grundierung oder Blech sind erreicht.
Der Test ist eine grobe Einschätzung. Genauer wird es mit einer Schichtdickenmessung und starkem Licht, das schräg über den Lack fällt.
Kratzer im Autolack entfernen: welche Methode wofür
| Kratzertyp | So erkennen Sie ihn | Lösung | Wer macht es |
|---|---|---|---|
| Farbabrieb | Erhabene Spur, oft in fremder Farbe | Reinigungsknete oder milde Politur | Sie selbst oder ein Aufbereiter |
| Waschkratzer, Swirls | Feine Kreise in der Sonne, der Nagel spürt nichts | Maschinenpolitur | Aufbereiter |
| Einzelner Kratzer im Klarlack | Deutlich sichtbar, der Nagel hakt kaum | Punktuelle Politur, eventuell feines Nassschleifen | Aufbereiter mit Schichtdickenmessung |
| Kratzer bis in den Basislack | Nagel hakt, im Kratzer wirkt die Farbe anders | Politur mildert nur | Lackierer |
| Kratzer bis Grundierung oder Blech | Weiß, grau oder metallisch | Lackieren | Lackierer |
| Steinschlag | Kleiner Krater, oft mit hellem Grund | Punktretusche | Aufbereiter oder Lackierer |
| Schlüsselkratzer | Lang, gleichmäßig tief, oft über mehrere Teile | Meist Lackieren | Lackierer |
Wir lackieren nicht. Wo in der Tabelle „Lackierer“ steht, sagen wir Ihnen das auch so, statt an einem Kratzer herumzupolieren, der nicht rausgeht.
Swirls und Waschkratzer: ein Fall für die Maschine
Die feinen Kreise, die man auf dunklem Lack in der Sonne sieht, stammen fast immer vom Waschen, etwa aus der Waschstraße oder von einem schmutzigen Schwamm. Sie sind sehr flach und lassen sich mit einer Maschinenpolitur zuverlässig entfernen.
Von Hand schafft man das kaum. Mit Politur und Tuch lässt sich der Glanz auffrischen, für eine echte Korrektur braucht es eine Poliermaschine mit passenden Pads und Erfahrung am Lack. Wie sich einstufige und mehrstufige Arbeit unterscheiden und was sie kosten, steht im Artikel Auto polieren lassen: Kosten.
Tiefere Kratzer im Klarlack: Schleifen mit Risiko
Ein einzelner Kratzer, an dem der Nagel leicht hakt, lässt sich manchmal noch im Klarlack beseitigen. Dazu wird die Stelle mit sehr feinem Schleifpapier nass angeschliffen, bis der Grund des Kratzers erreicht ist. Danach wird sie wieder auf Glanz poliert.
Das geht nur, wenn genug Klarlack da ist. Wer durchschleift, hat statt eines Kratzers eine Stelle ohne Klarlack, und die rettet nur noch der Lackierer. Deshalb wird vorher gemessen, und manchmal lautet die ehrliche Antwort: Wir machen den Kratzer flacher und unauffälliger, ganz weg bekommen wir ihn ohne Risiko nicht.
Kratzerentferner aus dem Handel
Die Tuben aus dem Baumarkt enthalten meist zwei Dinge. Ein feines Schleifmittel rundet die Kanten des Kratzers etwas ab, und Füllstoffe wie Öle oder Wachse setzen sich in die Rille. Das Licht bricht sich dann anders, und der Kratzer ist scheinbar weg.
Nach ein paar Wäschen sind die Füllstoffe ausgewaschen, und der Kratzer ist wieder da. Das ist kein Produktfehler, so funktionieren Füllstoffe eben. Bei sehr feinen Kratzern kann so ein Mittel trotzdem helfen. Arbeiten Sie dann mit wenig Druck auf kleiner Fläche, sonst polieren Sie sich neue matte Stellen in den Lack.
Steinschläge und Schlüsselkratzer
Lackstift für Steinschläge
Ein Lackstift ist für kleine Krater gedacht. Wer mit dem Pinsel aus dem Deckel einen Kratzer entlangfährt, bekommt eine wulstige Linie, die schlimmer aussieht als vorher.
So klappt es: Den Lack mit einem Zahnstocher in dünnen Schichten in den Krater tupfen und jede Schicht trocknen lassen, bis er knapp gefüllt ist. Der Farbton muss zum Farbcode passen, der auf einem Schild oder Aufkleber am Fahrzeug steht, oft in der Türöffnung oder im Motorraum. Liegt im Krater blankes Metall frei, warten Sie damit nicht bis zum Frühjahr, sonst beginnt es zu rosten.
Als Smart Repair machen wir solche Punktretuschen an Steinschlägen auch. Aus der Nähe bleibt die Stelle erkennbar, aus normalem Abstand sieht man sie kaum noch.
Schlüsselkratzer
Mutwillige Kratzer mit einem Schlüssel gehen fast immer durch den Klarlack, oft bis zur Grundierung, und laufen über mehrere Bauteile. Eine Politur kann die Ränder etwas beruhigen, die Linie bleibt. Hier hilft der Lackierer. Fragen Sie vorher bei Ihrer Kaskoversicherung nach, ob Vandalismus gedeckt ist.
Folie über dem Kratzer ist keine Reparatur
Hin und wieder werden wir gefragt, ob man den Kratzer nicht einfach überkleben kann. Farbige Folie verdeckt zwar den Farbunterschied, eine Rille zeichnet sich aber durch, auf glänzender Folie im Streiflicht sogar deutlich. Freiliegendes Metall rostet unter der Folie weiter. Als Reparatur verkaufen wir so etwas deshalb nicht.
Wer das Auto ohnehin folieren will, lässt tiefe Schäden vorher beim Lackierer richten. Was Folie und Lackierung jeweils leisten, vergleicht der Artikel Auto folieren oder lackieren.
Neue Kratzer vermeiden
- Handwäsche mit zwei Eimern und sauberem Waschhandschuh. Bürsten sind eine der häufigsten Ursachen für Swirls.
- Nie trocken abwischen. Staub auf dem Lack wirkt wie Schleifpapier.
- Keramikversiegelung. Der Lack wird glatter und lässt sich schonender reinigen, dadurch entstehen weniger Waschkratzer. Vor einem Schlüssel schützt sie nicht. Mehr unter Keramikversiegelung: Kosten.
- Lackschutzfolie. Sie fängt Steinschläge und Alltagskratzer ab, feine Kratzer in der Deckschicht heilen unter Wärme. Preise im Artikel Steinschlagschutzfolie: Kosten.
Sie sind unsicher, wie tief Ihr Kratzer ist? Schicken Sie uns per WhatsApp an +420 777 266 559 zwei Fotos, eines von nah und eines schräg mit Licht von der Seite. Dann sagen wir Ihnen, ob Politur reicht oder ob Sie besser zum Lackierer gehen.
